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Ist ihre Aktion politisch? Reaktionen zur 1. April-Aktion der GSZ

(aus dem IMC, Mai 2009)

„Ist ihre Aktion politisch?“, fragte mich ein Polizist, als ich ihm eine Postkarte in die Hand drücken will, mit der wir auf die Abschaffung der Gewissensprüfung hinweisen. Natürlich ist unser Aktion politisch: friedenspolitisch und zivildienstpolitisch! Doch die Stadtpolizei Zürich taxiert unsere Karte nicht als politisch, weil keine klare Meinung darauf steht. Nun muss ich mit einer Busse wegen unerlaubtem (weil unpolitischem) Flyer verteilen im öffentlichen Raum rechnen.

Busse, um auf eine Gesetzesänderung aufmerksam zu machen? Ich verstehe noch nicht ganz, aber egal, die Reaktion des Polizisten war zwar die letzte (wir mussten danach zusammenpacken), aber nicht die einzige auf unserer ganztägigen Aktion in Basel, Bern, Luzern und Zürich. Ein Tag Postkarten zum Zivildienst verteilen, heisst auch, die Haltung der Bevölkerung zum Thema Zivildienst und Militär aufzunehmen.

Und hier sind die Reaktionen: ein paar junge Männer haben ernsthaft Interesse, vom Militär zum Zivildienst zu wechseln. Immer wieder nimmt einer ein offizielles Formular der Zentralstelle mit, damit er gleich den Zivildienst beantragen kann. Per Zufall treffe ich einen alten Freund, der bald in den WK muss und sichtlich froh ist, dass er nun ganz einfach wechseln kann. Leider sind es über den ganzen Tag doch nur wenige, die in den Zivildienst wollen oder es schon sind. Viel häufiger treffen wir gesunde und quietschfidele Studenten an, die als „untauglich“ taxiert wurden. Ein paar lachen und rufen: „Zivildienst leisten? Da bin ich doch viel einfacher davongekommen!“ Ein paar sind zwar deutlich unter 25, haben aber ihren Dienst schon erfüllt: Durchdienertum als Mittel, den jungen Männern die Möglichkeit zu nehmen, nach der Rekrutenschule nochmals über den Sinn und Zweck ihres Militärdienstes nachzudenken? Ganz selten begegnen wir aktiven Soldaten: einer sagt, die Armee mache ihn glücklich und das Herumstehen mache Spass. Ein anderer meint, im Zivildienst sei doch auch nicht alles Gold, und die Armee sei nicht nur schlecht; man könne z. B. auch die LKW-Prüfung machen oder Botschaften bewachen. Ob das nicht nur eine Ersatzbeschäftigung und gefährlich sei? Da wissen die vorher noch prahlenden Armeeangehörigen auch nichts mehr zu erwidern und ziehen von dannen…

Interessanterweise sind die Frauen, ob jung oder alt, fast aufgeschlossener: Ja, das sei doch sinnvoll, das solle man mehr unterstützen. Sie nehmen die Karte mit; für den Nachbarn, der endlich was Gutes tun solle oder für zuhause an den Kühlschrank. Eine Dame ruft: „Meine Söhne haben schon lange genug vom Militär, geben sie mir eine Karte mit!“ Eine andere ist froh, dass „es das heute gibt“, ihr Mann sei noch ins Gefängnis gesteckt worden. Wir treffen auch ältere Männer, die lieber Zivildienst geleistet hätten, wenn sie es damals schon gekonnt hätten. Da wird uns wieder bewusst, was andere vor uns geleistet haben, damit wir heute Zivis sein können.

Was bleibt nun als bleibende Erinnerungen von diesem Tag? Die vielen „Untauglichen“ und Durchdiener? Die raren Army-Freaks? Das Unwissen gewisser Passanten (Ihr müsst wirklich 50% mehr leisten?) oder die aufgeschlossenen Frauen? Nein, mir bleiben wohl am meisten die jungen Männer in Erinnerung, die am Militärdienst zweifeln und den Zivildienst nun in Erwähnung ziehen. Und ganz sicher werde ich mich immer an den jungen Schreiner erinnern, der bald in den Dienst muss und erkennt: „Im Zivildienst kann ich mein erlerntes Handwerk gut gebrauchen. Da mache ich auch gerne 50% mehr, wenn ich dafür was Sinnvolles tun kann.“

Es bleibt noch Vieles zu tun: aufklären, informieren und überzeugen! Nicht nur in Bundesbern, sondern auch auf der Strasse. Und zudem: Wenn wir nicht wieder von Ordnungskräften aufgehalten werden wollen, dürfen wir nicht einfach nett informieren, nein, unsere Aktionen müssen „politisch“ und plakativ sein!

Martin Stadelmann

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